Aus der Wissenschaft – Neue Untersuchungen zum Vorkommen bei BOAS bei verschiedenen brachycephalen Hunderassen

| Aus der Wissenschaft

Eine aktuelle Studie von Tomlinson et al. (2026) hat das Vorkommen des Brachycephalen Obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS) erstmals systematisch bei 14 brachycephalen Hunderassen untersucht. Dabei wurde das sogenannte Cambridge-Respiratory Function Grading (Cambridge-Test) eingesetzt – ein standardisiertes Verfahren zur klinischen Beurteilung der Atemfunktion, das bislang vor allem für Englische Bulldogge, Französische Bulldogge und Mops wissenschaftlich evaluiert war.

 

Ziel der Untersuchung war es, die Häufigkeit klinisch relevanter BOAS-Ausprägungen rasseübergreifend vergleichbar zu erfassen und mögliche Zusammenhänge mit äußeren Merkmalen zu prüfen.

Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: BOAS tritt nicht nur bei den bereits bekannten Hochrisikorassen auf, sondern kann auch bei weiteren kurzköpfigen Rassen vorkommen – allerdings in unterschiedlicher Häufigkeit. Ein hohes Vorkommen wurde bei Japan Chin und Pekingese festgestellt. Ein moderates Vorkommen zeigte sich bei Bordeaux Dogge, Boston Terrier, Griffon Bruxellois (Brüsseler Griffon), King Charles Spaniel und Shih Tzu.

Gleichzeitig ist hervorzuheben, dass schwere BOAS-Ausprägungen in den neu untersuchten Rassen selten waren und mehrere brachycephale Rassen weitgehend oder vollständig frei von der Erkrankung sind.

Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist die Bedeutung objektiver Funktionsuntersuchungen. Die Autoren zeigen, dass standardisierte Atemtests deutlich aussagekräftiger sind als rein morphologische Einzelmaße wie die Cranio-Facial-Ratio (Verhältnis von Schnauzenlänge zu Schädellänge), die allein nur begrenzte Rückschlüsse auf die tatsächliche Atemfunktion zulässt.

Für die Zuchtpraxis bedeutet dies: Entscheidend ist nicht allein die äußere Kopfform, sondern die funktionelle Gesundheit. Wissenschaftlich validierte Belastungs- und Funktionstests liefern hier eine belastbare Grundlage, um Atemwegsprobleme frühzeitig zu erkennen und langfristig zu reduzieren.

Die Studie unterstreicht damit einmal mehr, wie wichtig eine evidenzbasierte Betrachtung brachycephaler Rassen ist – differenziert, rassespezifisch und mit Fokus auf die tatsächliche Funktion. Sehr erfreulich ist, dass diese Studie die Grundlage bietet, den Cambridge-Test in Zukunft auch für weitere Hunderassen als einfach durchführbare und wissenschaftlich validierte Methode zu Überprüfung der Atemfunktion anzuwenden.

Die Ausweitung des Cambridge-Tests wurde bereits in die VDH-Regularien aufgenommen. Mit diesen Maßnahmen unterstreicht der VDH seine führende Rolle in der Weiterentwicklung moderner, wissenschaftlich fundierter Zuchtstrategien.

 

Zurück